SIR... Homepage

- Aktuelles aus Drispenstedt -

Das Kinder- und Jugendhaus Drispenstedt schließt

Bericht in „Hildesheimer Allgemeine Zeitung
vom 24. April 2026 :

Zusammen kochen, spielen und basteln: Für all das und noch mehr können Kinder und Jugendliche bislang das Kinder- und Jugendhaus Drispenstedt (KJD) am Drispenstedter Brink besuchen. Doch damit ist bald Schluss: Am dortigen Standort schließt das KJD, für das Freizeitangebot werden ab Mai drei andere Orte im Stadtteil genutzt. Was bedeutet das für die Kinder- und Jugendarbeit in Drispenstedt ?
Für Stephan Kaune, der bis 2022 über dreißig Jahre lang Leiter des KJD war, stellt der Schritt einen gravierenden Einschnitt dar: „Das ist ein Absturz der Kinder- und Jugendarbeit um 90 Prozent.“ Zwar sei es ein gutes Signal, dass es in den drei Ausweichquartieren in den Räumen der Ganztagsgrundschule Drispenstedt, im Gemeindehaus St. Thomas sowie in einem Jugendraum des Jugendhilfeträgers EFES weitergehe. Kaune befürchtet jedoch, dass aus der Übergangs- eine Dauerlösung wird.

Darum ist Schluss
Grund für den Umzug sind Mängel beim Brandschutz – und die sind, ebenso wie weitere bauliche Mängel und die nicht vorhandene Barrierefreiheit in dem Gebäude am Drispenstedter Brink, seit Jahren bekannt. Das Haus ist Baujahr 1893, war früher eine Dorfschule und wird seit 1979 für die Kinder- und Jugendarbeit genutzt. Seit Langem werde über notwendige Sanierungen oder einen möglichen Neubau gesprochen, diese Themen würden aber „auf die lange Bank geschoben“, so Kaune. Und werden nun, so mutmaßt der ehemalige KJD-Leiter, möglicherweise gar nicht angegangen, falls man feststelle, dass man durch die Mitnutzung anderer Räumlichkeiten Geld sparen könne. „Das sind unhaltbare Zustände für die Mitarbeitenden und die Kinder und Jugendlichen. Die Breite des Angebots lässt sich nicht aufrechterhalten, wenn man dieses auf drei Standorte verteilt“, ist Kaune überzeugt.

Die Stadt sieht das anders. In einer Pressemitteilung wird das KJD als „wichtiger Ort der Begegnung, Unterstützung und Freizeitgestaltung“ beschrieben, dessen Angebot „langfristig sichergestellt werden“ solle. Nur eben künftig nicht mehr am bisherigen Ort. Man habe die jungen Menschen – derzeit besuchen pro Tag im Schnitt 20 Kinder und 30 Jugendliche das KJD – auf die Übergangslösung vorbereitet. Kinder würden ausschließlich in den Räumen der Ganztagsgrundschule Drispenstedt betreut, die viele von ihnen ohnehin besuchen. Jugendliche seien so mobil, dass sie das Angebot an zwei verschiedenen Orten nutzen könnten. Auch halte man daran fest, die Programme für die jeweils kommende Woche und den Monat online zu veröffentlichen, was die Planung erleichtern soll. „Für eine Übergangslösung ist diese Lösung pädagogisch vollkommen vertretbar“, konstatiert Stadtsprecher Helge Miethe. Derzeit werde „verwaltungsintern geprüft“, wie eine „räumlich dauerhafte Lösung“ aussehen könne. Zur Diskussion steht, ob eine Sanierung des Hauses am Drispenstedter Brink oder ein Neubau finanzierbar ist. Ein Ergebnis soll im Sommer vorliegen.

Eigentlich sollte es noch fünf Jahre weitergehen
Dass das KJD am Drispenstedter Brink, der alten Mitte des Stadtteils, bald Geschichte ist, dürfte einige Menschen verwundern. Noch im Dezember des vergangenen Jahres hatte ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung im Ortsrat darüber informiert, dass der Stadtteil für fünf Jahre sicher sei. Warum nun diese Rolle rückwärts? Stadtsprecher Miethe erklärt auf Nachfrage, dass man Ende 2025 noch davon ausgegangen war, das Gebäude weiter nutzen zu können. Wegen einer Rauchbildung im ganzen Haus durch einen Defekt an der Heizungsanlage sei dann jedoch eine kurzfristige Neubewertung der Situation nötig gewesen – und die habe zur Entscheidung geführt, das Haus zu schließen.

Drispenstedts Ortsbürgermeister Arne Heims ist mit Blick auf den bevorstehenden Umzug zwiegespalten: „Ein Wechsel hat immer das Potenzial, neue Besucher zu gewinnen, es besteht aber auch die Gefahr, bisherige Nutzer zu verlieren“, so der SPD-Politiker. Gerade für die Menschen in Drispenstedt sei es aber in jedem Fall gut, dass die Kinder- und Jugendarbeit fortgesetzt werde. Im Stadtteil lebten viele junge Familien, außerdem sei der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund hoch. „Viele von ihnen sind nicht so gut situiert, dass sie mit ihren Kindern ständig etwas unternehmen können. Angebote für Kinder und Jugendliche sind hier daher besonders wichtig.“
Mitarbeitende des KJD selbst wollen sich zu dem geplanten Umzug nicht äußern. Auf Nachfrage der Redaktion verweisen sie auf die Pressestelle der Stadt. Stadtsprecher Miethe erklärt, dass alle derzeitig Beschäftigten im KJD ihren Job behalten sollen.

Die Zukunft des Gebäudes ist ungewiss
Und was geschieht nun mit dem geschichtsträchtigen Gebäude am Drispenstedter Brink? Das steht derzeit noch nicht fest. Weder Stadtsprecher Helge Miethe noch Ortsbürgermeister Arne Heims können dazu etwas sagen. Der ehemalige KJD-Leiter Stephan Kaune weiß nur, dass das Gebäude in den nächsten Wochen leergeräumt werden soll. Der Gedanke daran schmerze ihn, so Kaune: „Da stecken dreißig Jahre meiner Energie drin. Ich kenne in dem Haus jeden Nagel und jede Schraube. Das ist wie ein Lebenswerk, das einem genommen wird.“
Das Abschiedsfest am Freitag, 24. April, will er nutzen, um die vergangenen Jahre Revue passieren zu lassen. Er habe sich mit einigen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen verabredet, die ebenfalls zur Feier kommen. Und bestimmt würden sie dort auch viele der einstigen Jugendlichen treffen, die ihre Tage im KJD verbracht haben: „Aus Gesprächen mit ihnen weiß ich, dass viele die Zeit dort als die schönste ihres Lebens ansehen.“

Kommentar: Die Übergangslösung in der Drispenstedter Kinder- und Jugendarbeit darf nicht zur Dauerlösung werden
Ein Kommentar von Laura Pöschel
Kinder und Jugendliche sollten ihre Freizeit nicht in einem Haus verbringen, in dem der Brandschutz nicht gewährleistet ist. Dass das KJD am Drispenstedter Brink schließt, ist daher die richtige Entscheidung – auch wenn es so weit nicht hätte kommen müssen, wenn die Stadt rechtzeitig Geld in die Hand genommen und den Sanierungsstau beseitigt hätte.
Dass die Kinder- und Jugendarbeit in Drispenstedt an drei anderen Orten weitergehen soll, ist das richtige Signal. Dass es dafür künftig nicht mehr eine zentrale Anlaufstelle gibt, kann aber nur eine Übergangslösung sein. Junge Menschen brauchen einen Ort, den sie mitgestalten
können. Wenn die Stadt die Wichtigkeit der Kinder- und Jugendarbeit ernst nimmt, sollte sie zügig nach einer dauerhaften Lösung suchen.